Bachelorarbeit durchgefallen: Zweitversuch, Fristen und Fehleranalyse
Montag, 8:47 Uhr. Sie loggen sich ins Notenportal ein und sehen eine 5,0. Genau jetzt brauchen Sie keine Vorwürfe, sondern einen Plan.

Bachelorarbeit durchgefallen: Zweitversuch, Fristen und Fehleranalyse
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Zweitversuch
Ablauf und Fristen
Fristen
Widerspruch und Termine
Nächste Schritte
Strukturierter Fahrplan
4 Wochen
Widerspruchsfrist
Schätzungen zufolge werden rund 4 bis 5 Prozent aller Bachelorarbeiten in Deutschland als nicht bestanden bewertet. Das klingt wenig, betrifft aber jedes Jahr Tausende Studierende. Gleichzeitig brechen laut einer Erhebung des DZHW rund 28 Prozent aller Bachelorstudierenden ihr Studium ab (Quelle: DZHW 2022). Wer bei der Bachelorarbeit durchfällt, steht vor Fragen: Was genau ist schiefgelaufen? Wie läuft der Zweitversuch? Und welche Fristen müssen Sie jetzt einhalten? Dieser Artikel gibt Ihnen einen strukturierten Fahrplan, der von der Fehleranalyse bis zum erfolgreichen Neustart reicht.
Durchatmen: Sie sind nicht allein
Die Note 5,0 löst bei den meisten Betroffenen eine Mischung aus Scham, Wut und Lähmung aus. Das ist nachvollziehbar. Niemand investiert Monate in eine Arbeit und rechnet damit, zu scheitern. Trotzdem ist ein Durchfallen kein seltenes Ereignis, und es sagt wenig über Ihre grundsätzliche Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten aus.
Die Studienabbruchquote an deutschen Universitäten liegt bei 35 Prozent, an Fachhochschulen bei 20 Prozent (Quelle: DZHW 2022). Nicht alle davon scheitern an der Abschlussarbeit, aber die Zahlen zeigen: Schwierigkeiten im Studium betreffen viele. In den Geisteswissenschaften bricht fast jeder zweite Studierende ab. Wer durchfällt, steht also keineswegs allein da.
Aus unserer Erfahrung bei ManuskriptMentor bestehen Studierende den Zweitversuch in der großen Mehrheit der Fälle, wenn sie die Fehleranalyse ernst nehmen und systematisch vorgehen. Das Entscheidende jetzt: nicht in der Enttäuschung verharren, sondern die nächsten Schritte kennen. Genau darum geht es auf den folgenden Seiten.
Psychologische Beratung
Falls Sie sich gerade emotional überfordert fühlen, ist das völlig normal. Das Deutsche Studentenwerk bietet an 45 Standorten kostenlose psychologische Beratung an, auch bei Studienkrise und Prüfungsversagen (Quelle: DSW 2025). Nutzen Sie dieses Angebot, bevor Sie sich an die inhaltliche Aufarbeitung machen.
Video: Notfall-Plan nach dem Nichtbestehen
Keine Zeit zu lesen? Dieses Video erklärt Ihnen die wichtigsten Schritte nach einer nicht bestandenen Bachelorarbeit.
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Die 5 häufigsten Gründe für das Nichtbestehen
Die gute Nachricht
Vier von fünf Gründen lassen sich beim Zweitversuch fast vollständig vermeiden. Selbst Methodik-Mängel sind korrigierbar, wenn Sie sich frühzeitig mit Ihrem Betreuer abstimmen.
Bevor Sie in den Zweitversuch starten, müssen Sie verstehen, warum Ihre Arbeit nicht bestanden hat. Ein Gutachten liefert die offizielle Begründung, doch viele Prüfende formulieren diplomatisch. Ich empfehle, die Kritikpunkte einer der folgenden fünf Kategorien zuzuordnen. So wird aus einer vagen Rückmeldung ein konkreter Ansatzpunkt.
Plagiate sind der häufigste K.o.-Grund und betreffen nicht nur absichtliches Abschreiben. Fehlerhaftes Paraphrasieren oder vergessene Quellenangaben genügen bereits. Der zweite große Block ist ein fehlender roter Faden: Die Forschungsfrage war unklar, die Argumentation sprang zwischen Themen. Methodische Mängel folgen auf Platz drei, wenn etwa die gewählte Methode nicht zur Fragestellung passt. Formale Mängel wie falsche Zitierweise oder fehlende Seitenzahlen sind der vierte Grund. Und schließlich gibt es Fälle, in denen die Arbeit gar nicht erst eingereicht wurde, weil die Frist verstrichen ist.
| Grund | Typisches Muster | Vermeidbarkeit |
|---|---|---|
| Plagiat (auch unbeabsichtigt) | Fehlerhafte Paraphrase, fehlende Quellenangabe | Hoch |
| Fehlender roter Faden | Unklare Forschungsfrage, springende Argumentation | Hoch |
| Methodik-Mängel | Methode passt nicht zur Fragestellung | Mittel |
| Formale Mängel | Falsche Zitierweise, Formatierung, Seitenzahl | Sehr hoch |
| Frist versäumt | Zu spät oder gar nicht eingereicht | Sehr hoch |
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Einen grundlegenden Überblick über den Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten finden Sie in unserem ausführlichen Leitfaden.
Erste Schritte nach dem Bescheid
Sie haben die 5,0 gesehen. Jetzt zählt Struktur, nicht Hektik. Die folgenden vier Schritte sollten Sie innerhalb der ersten zwei Wochen abarbeiten. Die Reihenfolge ist nicht willkürlich, sondern baut aufeinander auf.
Schritt 1: Prüfungsordnung lesen. Suchen Sie in Ihrer Prüfungsordnung nach den Paragraphen zu Wiederholung und Widerspruch. Notieren Sie alle Fristen. An der LMU München etwa muss der Zweitversuch im Folgesemester abgeschlossen sein (Quelle: LMU München 2025). Andere Hochschulen geben sechs bis zwölf Monate Zeit.
Schritt 2: Gutachten anfordern. Sie haben das Recht auf Einsicht in die Bewertung. Ohne das Gutachten fehlt Ihnen die Grundlage für jede weitere Entscheidung. Beantragen Sie die Akteneinsicht beim Prüfungsamt, und zwar schriftlich.
Schritt 3: Gespräch mit dem Betreuer. Fragen Sie gezielt: Welche Abschnitte waren am schwächsten? Was hätte die Arbeit gerettet? Betreuer sind meist bereit, offen zu sprechen, wenn Sie signalisieren, dass Sie die Kritik konstruktiv aufnehmen.
Schritt 4: Fristen sichern. Notieren Sie zwei Daten: die Widerspruchsfrist (in der Regel ein Monat) und die Frist für die Anmeldung des Zweitversuchs. Versäumte Fristen lassen sich nicht nachholen.
Fristen sofort notieren
Die Widerspruchsfrist beträgt grundsätzlich einen Monat ab Bekanntgabe des Bescheids. Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung, gilt ein Jahr (Quelle: RA Dr. Winkler, Prüfungsrecht). Tragen Sie sich das Datum mit Erinnerung in den Kalender ein.
Widerspruch einlegen: wann es sich lohnt
Akteneinsicht vor dem Widerspruch
Beantragen Sie die Akteneinsicht, bevor Sie den Widerspruch formulieren. Nur so können Sie prüfen, ob tatsächlich ein Verfahrensfehler vorliegt. Die Akteneinsicht ist Ihr Recht und kann nicht verweigert werden.
Nicht jeder Widerspruch ist sinnvoll. Die Unterscheidung ist simpel: Liegt ein Verfahrensfehler vor, lohnt sich der Widerspruch fast immer. Sind die inhaltlichen Mängel Ihrer Arbeit offensichtlich, ist der direkte Weg in den Zweitversuch die bessere Strategie. Prüfende haben einen sogenannten Beurteilungsspielraum, den weder Prüfungsausschuss noch Verwaltungsgericht leichtfertig antasten.
Das Verfahren beginnt mit einem formlosen Widerspruch beim Prüfungsausschuss. Wird dieser abgelehnt, können Sie innerhalb eines weiteren Monats Klage beim Verwaltungsgericht einreichen. Die Gerichtskosten liegen bei etwa 300 bis 500 Euro. Vor diesem Schritt sollten Sie unbedingt die studentische Rechtsberatung Ihres AStA konsultieren, die an vielen Hochschulen kostenlos ist.
| Widerspruchsgrund | Beispiel | Erfolgsaussicht |
|---|---|---|
| Verfahrensfehler | Gutachten fehlt, Bewertungskriterien nicht transparent | Gut |
| Fehlende Rechtsbehelfsbelehrung | Kein Hinweis auf Widerspruchsmöglichkeit im Bescheid | Sehr gut (Fristverlängerung) |
| Befangenheit des Prüfers | Nachweisbarer persönlicher Konflikt | Mittel |
| Inhaltliche Neubewertung | Sie halten die Bewertung für zu streng | Gering |
| Allgemeine Unfairness | Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein | Sehr gering |
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Der Zweitversuch: neues Thema oder Überarbeitung?
An den meisten deutschen Hochschulen müssen Sie beim Zweitversuch ein neues Thema wählen. An der LMU München ist das in der Prüfungsordnung explizit festgelegt. Gleichzeitig haben Sie meist die Wahl, ob Sie beim selben Betreuer bleiben oder wechseln (Quelle: LMU München 2025). Einige wenige Hochschulen erlauben eine Überarbeitung des gleichen Themas, das ist aber die Ausnahme.
Ob ein neues Thema oder eine Überarbeitung der bessere Weg ist, hängt von der Art des Scheiterns ab. Wenn Ihr erstes Thema grundsätzlich tragfähig war und die Probleme eher in der Methodik oder Struktur lagen, kann eine überarbeitete Version funktionieren. Bei gravierenden inhaltlichen Mängeln oder Plagiatsverdacht führt kein Weg an einem kompletten Neustart vorbei.
Die FU Berlin sieht für Modulprüfungen in den meisten Studiengängen bis zu drei Versuche vor, wobei die Bachelorarbeit oft einer separaten Regelung unterliegt (Quelle: FU Berlin 2025). Prüfen Sie Ihre fachspezifische Prüfungsordnung sorgfältig. Wer sich optimal auf den Neustart vorbereiten möchte, findet in unserem Leitfaden hilfreiche Tipps, um die Bachelorarbeit von Anfang an richtig anzugehen.
| Hochschultyp | Neues Thema? | Frist | Wechsel |
|---|---|---|---|
| Universität (z.B. LMU) | Ja | Nächstes Semester | Möglich |
| Fachhochschule | Meist ja | 6-12 Monate | Möglich |
| Fernhochschule (z.B. WBH) | Abhängig | Innerhalb 1 Jahr | Möglich |
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Zeitplan für den erfolgreichen Zweitversuch
Beim ersten Versuch fehlte vielen Studierenden ein realistischer Zeitplan. Das soll sich jetzt ändern. Der folgende 18-Wochen-Fahrplan teilt den Zweitversuch in fünf Phasen. Die Zeiten sind Richtwerte. Passen Sie sie an Ihre Bearbeitungsfrist an.
In Phase 1 studieren Sie das Gutachten und identifizieren Ihre Schwachstellen. Phase 2 dient der Themenfindung und Betreuerwahl. Die Wochen 5 bis 8 gehören der Literaturrecherche und einer durchdachten Gliederung als Fahrplan. Ab Woche 9 schreiben Sie, aber dieses Mal mit regelmäßigem Betreuer-Feedback. Die letzten zwei Wochen sind reserviert für Korrekturlesen, Plagiatsprüfung und Formatierung. Wenn Sie sich für den Zweitversuch gezielt vorbereiten möchten, bietet unsere Seite zur Bachelorarbeit einen Überblick über mögliche Unterstützungsangebote.
Nutzen Sie unser kostenloses Zeitplaner-Tool, um Ihren individuellen Zeitplan für Ihre Bachelorarbeit zu erstellen.
Ihr Zweitversuch-Fahrplan
Was wenn auch der Zweitversuch scheitert?
Akademische Laufbahn ist nicht vorbei
Ein gescheiterter Studiengang bedeutet nicht das Ende. Viele Studierende finden über einen Hochschulwechsel oder einen verwandten Studiengang zurück in die Wissenschaft. Psychologische Beratungsstellen der Studierendenwerke unterstützen Sie auch in dieser Phase.
Endgültiges Nichtbestehen führt zur Exmatrikulation aus Ihrem Studiengang. Das ist eine harte Konsequenz. Aber es ist nicht das Ende Ihrer akademischen Laufbahn. Mehrere Optionen stehen Ihnen offen.
Ein Härtefallantrag kann unter bestimmten Umständen einen dritten Versuch ermöglichen. Voraussetzung sind außergewöhnliche Belastungen, etwa eine schwere Erkrankung oder eine familiäre Krise, die nachweislich Einfluss auf die Prüfungsleistung hatten. Die Hürde ist hoch, aber der Antrag kostet nichts (Quelle: bildungsrecht.pro 2024).
Alternativ können Sie an einer anderen Hochschule einen verwandten Studiengang beginnen. Bereits erbrachte Studienleistungen lassen sich in vielen Fällen anerkennen. Bedingung: Das Fach, in dem Sie endgültig nicht bestanden haben, darf nicht identisch im neuen Studiengang vorkommen. Lassen Sie sich vorab beraten, ob dieser Weg für Sie gangbar ist.
Auch der Weg über die Verwaltungsgerichtsbarkeit steht offen. Wer gegen den Exmatrikulationsbescheid Widerspruch einlegt, kann die Rechtswirkung der Exmatrikulation zunächst stoppen. Diesen Schritt sollten Sie allerdings nur mit juristischer Beratung gehen.
7 Fehler, die Sie beim Zweitversuch vermeiden müssen
Der Zweitversuch ist Ihre letzte reguläre Chance. Damit Sie sie nicht verspielen, habe ich die sieben häufigsten Fehler zusammengetragen, die mir in der Beratung begegnen.
1. Das Gutachten ignorieren. Wer das Gutachten nicht im Detail studiert, wiederholt mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselben Fehler. Lesen Sie jede einzelne Kritikstelle und ordnen Sie sie einer Kategorie zu: Inhalt, Methodik, Struktur oder Formalia.
2. Ohne Gliederung losschreiben. Beim ersten Versuch haben viele Studierende einfach angefangen zu tippen. Beim Zweitversuch sollte die Gliederung stehen und vom Betreuer abgesegnet sein, bevor Sie den ersten Satz schreiben.
3. Den Betreuer nicht einbinden. Regelmäßiger Kontakt ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Betreuer schätzen es, wenn Studierende Zwischenergebnisse zeigen und gezielt Fragen stellen. Planen Sie mindestens drei Feedbacktermine ein.
4. Keinen Zeitplan haben. Ohne verbindliche Wochen-Meilensteine geraten Sie in die gleiche Zeitfalle wie beim ersten Versuch. Setzen Sie sich Deadlines für jede Phase.
5. Auf Korrekturlesen verzichten. Mindestens eine zweite Person sollte Ihre Arbeit vor der Abgabe lesen. Ein professionelles Lektorat kann formale Mängel, die beim Erstversuch zum Durchfallen beigetragen haben, systematisch eliminieren.
6. Keine eigene Plagiatsprüfung. Führen Sie vor der Abgabe eine eigene Prüfung durch. Softwaretools erkennen unabsichtliche Textübernahmen, die Sie selbst übersehen.
7. Formalia unterschätzen. Richtige Zitierweise, korrekte Seitenränder, vollständiges Literaturverzeichnis. Das klingt banal, aber formale Mängel sind einer der häufigsten Gründe für Punktabzug. Ich empfehle, die Formatierungsvorgaben Ihrer Hochschule als Checkliste abzuarbeiten.
Letzte reguläre Chance
Der Zweitversuch ist Ihre letzte reguläre Möglichkeit. Nehmen Sie sich die Zeit, jeden der sieben Punkte ernst zu nehmen.
BAföG und verlängerte Studienzeit
Ein Aspekt, den viele übersehen: Wenn der Zweitversuch Ihre Regelstudienzeit überschreitet, kann die BAföG-Förderung enden. Nach BAföG §15 läuft die Förderung grundsätzlich bis zum Ende der Regelstudienzeit plus einem Semester. In bestimmten Fällen, etwa bei Krankheit oder erstmaligem Nichtbestehen, lässt sich eine Verlängerung beantragen. Klären Sie das frühzeitig mit dem BAföG-Amt Ihrer Hochschule, nicht erst wenn das Geld ausbleibt.
Fazit
Eine nicht bestandene Bachelorarbeit ist ein Rückschlag, kein Endpunkt. Wer das Gutachten sorgfältig analysiert, die Fristen einholt und den Zweitversuch mit einem klaren Zeitplan angeht, hat sehr gute Chancen. Die meisten Gründe für das Nichtbestehen lassen sich beim zweiten Anlauf vermeiden. Nutzen Sie die Werkzeuge, die Ihnen zur Verfügung stehen, vom Betreuergespräch bis zur psychologischen Beratung, und gehen Sie den Neustart systematisch an.
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Häufig gestellte Fragen
Über den Autor
Daniel M. Greiner ist Gründer & Inhaber von ManuskriptMentor. Mit einem Master of Arts in Medienwissenschaften und aktuell laufendem MA in Bildungswissenschaften verbindet er akademische Expertise mit über 10 Jahren Business-Erfahrung in Fintech und SaaS.
Seit 2022 ist er auf akademisches Schreiben spezialisiert und unterstützt Studierende in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften und Kulturwissenschaften. Seine Schwerpunkte: forschungsbasierte Texte, wissenschaftliche Methodik und strukturierte Planung von Abschlussarbeiten.
