Zitieren & Quellen

Deutsche Zitierweise: Regeln, Fußnoten und Beispiele

Kein Klammerverweis im Text, kein Autor-Jahr-System. Das Fußnoten-Prinzip der Deutschen Zitierweise hält den Lesefluss frei und gehört in Geschichte, Jura, Philosophie und Germanistik zum Standard. Dieser Leitfaden zeigt, wie Erst- und Kurzbeleg zusammenwirken, wie Sie Fußnoten korrekt formatieren und was ins Literaturverzeichnis gehört.

15 Min. LesezeitAktualisiert März 2026Daniel M. Greiner, M.A.
Student im Hörsaal macht Selfie, Professor erklärt die deutsche Zitierweise mit Fußnotenbeispiel an der Tafel

Kein Klammerverweis im Text, kein Autor-Jahr-System. Das Fußnoten-Prinzip der Deutschen Zitierweise hält den Lesefluss frei und gehört in Geschichte, Jura, Philosophie und Germanistik zum Standard. Dieser Leitfaden zeigt, wie Erst- und Kurzbeleg zusammenwirken, wie Sie Fußnoten korrekt formatieren und was ins Literaturverzeichnis gehört.

Sie benötigen eine Übersicht aller gängigen Zitierstile? Der Leitfaden zur Harvard-Zitierweise und der APA-7-Guide ergänzen diesen Artikel. Für sprachliche Wendungen in allen Abschnitten empfehlen sich die 200+ Formulierungshilfen für wissenschaftliche Arbeiten.

Was ist die Deutsche Zitierweise?

Wer eine Quelle belegt, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: direkt im Fließtext oder am Seitenrand, genauer gesagt am Seitenende. Die Deutsche Zitierweise wählt den zweiten Weg. Quellenangaben erscheinen als hochgestellte Ziffer im Text und werden am Fuß der jeweiligen Seite als Fußnote ausgeführt. Der Lesefluss des Haupttextes bleibt dadurch ungestört.

Das System ist auch unter dem Namen Fußnotensystem bekannt und teilt strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Chicago Manual of Style, Notes and Bibliography (Chicago B). Ein verbindliches einheitliches Regelwerk gibt es im deutschsprachigen Raum allerdings nicht. Jede Universität, jedes Seminar und viele Betreuer haben eigene Präferenzen. Was zählt, ist Konsistenz innerhalb einer Arbeit. Ein Format wählen und von der ersten bis zur letzten Fußnote durchhalten.

Die Verbreitung des Fußnotensystems ist stark fachgebunden. Geschichte, Rechtswissenschaft, Philosophie, Theologie und Germanistik nutzen es nahezu ausschließlich. In den Wirtschaftswissenschaften dominiert Harvard, Psychologie und Sozialwissenschaften folgen APA. Wer in einem naturwissen­schaftlichen Fach studiert, wird der Deutschen Zitierweise kaum begegnen (Quelle: SciFlow 2024).

Stärken und Schwächen im Überblick

Deutsche Zitierweise vs. Harvard vs. APA
DimensionDeutsche ZitierweiseHarvardAPA 7
Quellenangabe im TextFußnote mit hochgestellter Zahl (¹)Klammerzitat: (Müller, 2020: 35)Klammerzitat: (Müller, 2020, S. 35)
ErstnennungVollbeleg in Fußnote (alle Angaben)Immer gleich: (Autor, Jahr, S.)Immer gleich: (Autor, Jahr, S.)
WiederholungKurzbeleg oder Ebd.Identisch wie ErstnennungIdentisch wie Erstnennung
LeseflussUngestört, Zahlen kaum auffälligLeicht unterbrochen durch KlammernLeicht unterbrochen durch Klammern
KommentarfußnotenMöglich im gleichen ApparatSchwierig, kein FußnotenapparatNicht vorgesehen
Typische Fachbereiche (DE)Geschichte, Jura, Philosophie, GermanistikBWL, Wirtschaftswiss.Psychologie, Pädagogik, Sozialwiss.
RegelwerkKein einheitliches Regelwerk, fachspezifischKein offizielles ManualAPA Publication Manual 7th Ed. (2020)

Praxishinweis

Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, fragen Sie Ihre Betreuungsperson nach dem gewünschten Zitierstil. Viele Prüfungsordnungen schweigen zu diesem Punkt, was zu Verwirrung führt. Manchmal existiert auch ein Leitfaden des Seminars oder Fachbereichs, der Vorrang hat.

Fußnoten und Belege

Erstnennung vs. Kurzbeleg: das Kernprinzip

Hier liegt die zentrale Logik der Deutschen Zitierweise. Die erste Nennung einer Quelle ist ein Vollbeleg. Alle bibliographischen Angaben stehen vollständig in der Fußnote. Jede weitere Nennung derselben Quelle wird zum Kurzbeleg, der nur noch Nachname, Kurztitel und Seitenzahl enthält. Dieses System spart Platz, setzt aber voraus, dass Lesende den Vollbeleg irgendwo im Text finden können.

Welcher Beleg wann? Entscheidungsbaum

Neue Fußnote setzenErste Nennungdieser Quelle?JaVoll-belegNeinGleiche Quellewie letzte FN?NeinKurz-belegJaGleicheSeite?JaEbd.NeinEbd., S. X

Infografik: Entscheidungsbaum Deutsche Zitierweise © ManuskriptMentor

Der Vollbeleg (Erstnennung)

Der Vollbeleg enthält Vorname Nachname, Titel. Untertitel, Auflage (wenn nicht erste), Erscheinungsort, Verlag, Erscheinungsjahr, S. XX. Das Muster variiert geringfügig je nach Quellenart, der Grundgedanke bleibt gleich. Uni Bielefeld und Uni Göttingen formulieren das sehr ähnlich in ihren Zitierleitfäden (Quelle: Universität Bielefeld 2024, Universität Göttingen 2024).

Vollbeleg – Erstnennung einer Monographie

1 Max Müller: Grundlagen der deutschen Zitierweise. Eine Einführung, 2. Aufl., Berlin: Akademie Verlag 2020, S. 35.

Der Kurzbeleg (Wiederholung)

Bei der zweiten Nennung genügen Nachname, ein prägnanter Kurztitel und die Seitenzahl. Der Kurztitel ist keine Abkürzung im wörtlichen Sinne, sondern ein Stichwort aus dem Originaltitel, das die Quelle eindeutig identifizierbar macht. Bei zwei Autoren werden beide Nachnamen mit Schrägstrich verbunden, bei drei oder mehr Autoren steht der erste Name plus "et al." oder "u.a.".

Kurzbeleg – Wiederholung derselben Monographie

7 Müller, Grundlagen, S. 47.

Zwei Autoren: Thompson/Bordwell, Filmgeschichte, S. 15.

Drei oder mehr Autoren: Bergener et al., Forschungsmethoden, S. 49.

Ebd. (ebenda)

Wenn zwei aufeinanderfolgende Fußnoten exakt dieselbe Quelle zitieren, ersetzt "Ebd." Autorname und Kurztitel vollständig. Gleiche Seite: "Ebd." Andere Seite: "Ebd., S. 38." Keine andere Quelle darf dazwischenstehen, sonst geht der Bezug verloren. Das ältere "a.a.O." (am angegebenen Ort) gilt heute als veraltet und sollte nicht mehr verwendet werden, da es Lesende zur Suche im gesamten Dokument zwingt.

Ebd. in der Praxis

1 Max Müller: Grundlagen, Berlin 2020, S. 35.

2 Ebd.

3 Ebd., S. 38.

4 Anna Schmidt: Zitierpraktiken, München 2021, S. 12.

5 Müller, Grundlagen, S. 41. (Kein Ebd. mehr, da Schmidt dazwischenstand)

Achtung: Ebd. nicht seitenübergreifend

Zu Beginn einer neuen Seite oder nach einem Seitenumbruch in der Fußnotenzeile kann "Ebd." für Lesende unklar werden. Verwenden Sie dort lieber den Kurzbeleg, damit die Quelle zweifelsfrei identifizierbar bleibt.

Fußnoten richtig formatieren

Die Fußnotennummer steht im Haupttext hinter dem Satzzeichen, nicht davor. Das ist einer der am häufigsten gemachten Formatierungsfehler. Richtig: "...im Ergebnis zutreffend.¹" Falsch: "...im Ergebnis zutreffend¹." Der Punkt kommt zuerst, dann die hochgestellte Ziffer.

Der Fußnotentext selbst wird in 10 Punkt Schriftgröße gesetzt, einzeilig, mit hängendem Einzug bei der zweiten Zeile. Die Nummerierung läuft in wissenschaftlichen Arbeiten durchgehend, also nicht neu beginnend pro Kapitel. Manche Betreuer verlangen die kapitelweise Nummerierung; das ist dann explizit so angegeben.

Häufiger Fehler: Fußnotenzeichen vor dem Punkt

Nahezu jede Fehlerstatistik zu Zitierproblemen nennt diesen Punkt. Prüfen Sie Ihre Arbeit systematisch per Suchfunktion und stellen Sie sicher, dass nirgends Ziffer + Punkt hintereinander stehen (also "²." statt ".²"). Word und LaTeX setzen das Zeichen automatisch richtig, wenn Sie die integrierten Fußnotenfunktionen nutzen.

Abkürzungen der Deutschen Zitierweise im Überblick

Die Deutsche Zitierweise arbeitet mit einem festen Satz standardisierter Abkürzungen. Studierende stolpern in der Praxis am häufigsten über "Vgl.", "Ebd." und die Frage, ob "a.a.O." noch akzeptabel ist. Die folgende Tabelle listet die 15 wichtigsten Kürzel mit Bedeutung, Verwendungskontext und konkretem Fußnotenbeispiel auf.

Die wichtigsten Abkürzungen der Deutschen Zitierweise
AbkürzungBedeutungVerwendungBeispiel in der Fußnote
Vgl.VergleicheBei indirekten Zitaten (Paraphrasen)Vgl. Müller, Wissenschaft, S. 45.
Ebd.Ebenda (ibidem)Gleiche Quelle wie vorige FußnoteEbd., S. 48.
a.a.O.Am angegebenen OrtVeraltet, heute nicht mehr empfohlenMüller, a.a.O., S. 50.
f.Folgende (1 Seite)Verweis auf aktuelle und nächste SeiteVgl. Müller, Wissenschaft, S. 45 f.
ff.Fortfolgende (2+ Seiten)Verweis auf mehrere Folgeseiten, gilt als ungenauVgl. Müller, Wissenschaft, S. 45 ff.
Hg. / Hrsg.HerausgeberBei SammelbändenMüller, Max (Hg.): Sammelband, Berlin 2020.
et al.Et alii (und andere)Ab 3 Autoren im KurzbelegVgl. Müller et al., Wissenschaft, S. 12.
Ders. / Dies.Derselbe / DieselbeGleicher Autor in aufeinanderfolgenden EinträgenDers., Neue Studie, S. 78.
zit. nachZitiert nachSekundärzitat (Quelle nicht selbst gelesen)Müller (2015), zit. nach Schmidt (2020), S. 34.
o.J.Ohne JahrWenn Erscheinungsjahr fehltMüller, Max: Titel, o.J., S. 5.
o.O.Ohne OrtWenn Erscheinungsort fehltMüller, Max: Titel, o.O. 2020, S. 5.
o.V.Ohne VerfasserWenn Autor unbekannt isto.V.: Pressemitteilung, Berlin 2021.
Bd.BandBei mehrbändigen WerkenMüller, Max: Handbuch, Bd. 2, Berlin 2019, S. 120.
Aufl.AuflageAb der 2. Auflage angebenMüller, Max: Titel, 3. Aufl., Berlin 2022, S. 15.
S.Seite / SeitenSeitenangabe in jeder FußnoteVgl. Müller, Wissenschaft, S. 45.

LaTeX-Nutzer

Für LaTeX empfiehlt sich das Paket biblatex-dw (Version 1.7b, Stand März 2023). Es setzt automatisch Vollbelege bei der Erstnennung und Kurzbelege bei Wiederholung. Wer strenger nach Chicago Manual of Style 17th Edition arbeitet, greift zu biblatex-chicago (zuletzt April 2024 aktualisiert, Quelle: CTAN 2024).

% biblatex-dw einbinden
\usepackage[style=footnote-dw]{biblatex}
\addbibresource{literatur.bib}

% Im Text:
\footcite{mueller2020}      % = Vollbeleg bei Erstnennung
\footcite[47]{mueller2020}  % = mit Seitenangabe

Literaturrecherche

Quellenarten: Beispiele für die Deutsche Zitierweise

Die Grundstruktur ist immer gleich, Details ändern sich je nach Quellentyp. Die folgende Tabelle zeigt Vollbeleg und Kurzbeleg nebeneinander, gefolgt von konkreten formatierten Beispielen. Die Schreibweise orientiert sich an den Leitfäden der Universität Bielefeld (Geschichtswissenschaft) und der Universität Göttingen (Quelle: Universität Bielefeld 2024, Universität Göttingen 2024).

Vollbeleg und Kurzbeleg aller Quellentypen
QuellentypVollbeleg (Erstnennung)Kurzbeleg (Wiederholung)
MonographieVorname Nachname: Titel. Untertitel, Aufl., Ort: Verlag Jahr, S. X.Nachname, Kurztitel, S. X.
SammelbandbeitragVorname Nachname: Beitragstitel, in: Vorname Nachname (Hg.): Bandtitel, Ort: Verlag Jahr, S. X–Y, hier S. Z.Nachname, Kurztitel, S. Z.
ZeitschriftenartikelVorname Nachname: Aufsatztitel, in: Zeitschriftentitel Jg. (Jahr), Heft-Nr., S. X–Y.Nachname, Kurztitel, S. X.
InternetquelleVorname Nachname: Titel [online], in: Website-Name, Datum, URL [letzter Aufruf: TT.MM.JJJJ].Nachname, Kurztitel [online], Datum.

Monographie

Vollbeleg Fußnote

1 Max Müller: Grundlagen der deutschen Zitierweise. Eine Einführung, 2. Aufl., Berlin: Akademie Verlag 2020, S. 35.

Kurzbeleg Fußnote

8 Müller, Grundlagen, S. 47.

Sammelbandbeitrag

Vollbeleg Fußnote

2 Anna Schmidt: Die Entwicklung des Zitierstils, in: Karl Weber (Hg.): Handbuch Wissenschaftliches Schreiben, München: Beck 2023, S. 45–78, hier S. 52.

Kurzbeleg Fußnote

11 Schmidt, Zitierstil, S. 60.

Zeitschriftenartikel

Vollbeleg Fußnote

3 Lisa Braun: Fußnoten als Argumentationsraum, in: Zeitschrift für Germanistik, 34 (2024), Heft 2, S. 112–128.

Kurzbeleg Fußnote

14 Braun, Fußnoten, S. 119.

Internetquelle

Vollbeleg Fußnote

4 Thomas Klein: Zitieren im digitalen Zeitalter [online], in: Wissenschaft.de, 15.01.2025, https://www.wissenschaft.de/zitieren [letzter Aufruf: 13.03.2026].

Kurzbeleg Fußnote

20 Klein, Zitieren [online], 15.01.2025.

Tipp: Abbildungen zitieren

Für Grafiken, Diagramme und Fotos gelten eigene Regeln, die Sie im Artikel Abbildungen richtig zitieren nachlesen können.

Das Literaturverzeichnis in der Deutschen Zitierweise

Trotz vollständiger Fußnoten kommt man um das Literaturverzeichnis nicht herum. Es steht am Ende der Arbeit, ist alphabetisch nach Autorennachnamen sortiert und listet alle verwendeten Quellen vollständig auf. Seitenangaben fehlen hier, mit einer Ausnahme: Bei Aufsätzen in Zeitschriften und Sammelbänden wird der gesamte Seitenumfang des Beitrags angegeben.

Ein wichtiger Unterschied zur Fußnote: Im Literaturverzeichnis steht der Nachname zuerst. Das ermöglicht die alphabetische Sortierung. In der Fußnote hingegen beginnt der Eintrag mit dem Vornamen. Wer diese Reihenfolge verwechselt, macht einen systematischen Fehler.

Literaturverzeichnis-Formate nach Quellentyp
QuellentypFormat im Literaturverzeichnis
MonographieNachname, Vorname: Titel. Untertitel, Auflage, Erscheinungsort: Verlag Erscheinungsjahr.
SammelbandbeitragNachname, Vorname: Titel des Beitrags, in: Nachname, Vorname (Hg.): Bandtitel, Ort: Verlag Jahr, S. X–Y.
ZeitschriftenartikelNachname, Vorname: Titel des Aufsatzes, in: Zeitschriftentitel Jg. (Jahr), Heft-Nr., S. X–Y.
InternetquelleNachname, Vorname: Titel [online], in: Website-Name, Datum, URL [letzter Aufruf: TT.MM.JJJJ].

Beispieleinträge im Literaturverzeichnis

Braun, Lisa: Fußnoten als Argumentationsraum, in: Zeitschrift für Germanistik, 34 (2024), Heft 2, S. 112–128.

Müller, Max: Grundlagen der deutschen Zitierweise. Eine Einführung, 2. Aufl., Berlin: Akademie Verlag 2020.

Schmidt, Anna: Die Entwicklung des Zitierstils, in: Weber, Karl (Hg.): Handbuch Wissenschaftliches Schreiben, München: Beck 2023, S. 45–78.

Hängender Einzug

Mehrzeilige Einträge im Literaturverzeichnis erhalten einen hängenden Einzug. Die erste Zeile beginnt am linken Rand, alle weiteren Zeilen desselben Eintrags werden eingerückt (ca. 1,25 cm). In Word finden Sie diese Einstellung unter Format → Absatz → Sondereinzug → Hängend.

Mehrere Werke desselben Autors werden chronologisch nach Erscheinungsjahr sortiert, das älteste zuerst. Haben Sie drei Werke von Max Müller aus 2018, 2020 und 2023, erscheinen sie genau in dieser Reihenfolge untereinander.

Direktes vs. indirektes Zitat: Fußnoten-Praxis

Die Fußnote sieht unterschiedlich aus, je nachdem ob Sie einen Text wörtlich übernehmen oder sinngemäß wiedergeben. Das ist keine Frage des Stils, sondern der korrekten Kennzeichnung.

Direktes Zitat

Wörtliche Übernahmen stehen in Anführungszeichen. Die Fußnote enthält den Beleg ohne "Vgl." direkt mit Seitenangabe. Auslassungen werden mit [...] markiert, eigene Ergänzungen in eckige Klammern gesetzt.

Direktes Zitat im Text mit Fußnote

"Die Fußnote gilt als Indikator der wissenschaftlichen Sorgfalt."¹

¹ Müller, Grundlagen, S. 35.

Indirektes Zitat

Sinngemäße Übernahmen, Paraphrasen und Zusammenfassungen benötigen kein Anführungszeichen, aber zwingend eine Quellenangabe. Die Fußnote beginnt mit "Vgl." Das Paraphrasieren ohne Quellenangabe gilt als Plagiat, auch wenn der Text vollständig umformuliert wurde.

Indirektes Zitat im Text mit Fußnote

Die Fußnote zeigt, dass eine Arbeit die Sekundärliteratur kennt und verarbeitet.²

² Vgl. Müller, Grundlagen, S. 35.

Längere Zitate (über drei Zeilen)

Zitate, die mehr als drei Zeilen im laufenden Text einnehmen, werden eingerückt und ohne Anführungszeichen gesetzt. Schriftgröße und Zeilenabstand werden oft um eine Stufe reduziert. Das Muster sieht so aus:

Dies ist ein längeres Zitat, das mehr als drei Zeilen im Text einnimmt. Es wird durch Einrückung als Zitat gekennzeichnet, ohne dass Anführungszeichen nötig wären. Die Fußnotennummer steht nach dem letzten Satzzeichen.

Sekundärzitation

Manchmal ist die Originalquelle nicht zugänglich. In diesem Fall kann auf eine Sekundärquelle verwiesen werden, die das Original zitiert. Das Kürzel "zit. nach" macht den indirekten Weg sichtbar. Sekundärzitationen sollten die Ausnahme bleiben.

Sekundärzitation

⁵ Kant, Kritik der reinen Vernunft, S. 12, zit. nach Müller, Grundlagen, S. 78.

Paraphrase ohne Quellenangabe = Plagiat

Auch wer einen Gedanken vollständig umformuliert, muss die Quelle nennen. Die Pflicht zur Quellenangabe gilt für alle fremden Ideen, nicht nur für wörtliche Übernahmen. Wenn Sie beim Schreiben auf Formulierungshilfen zurückgreifen, achten Sie darauf, eigene Gedanken von referierten Quellen klar zu trennen.

Deutsche Zitierweise in Word: Schritt für Schritt

Word bietet eine integrierte Fußnotenfunktion. Sie nummeriert automatisch, setzt die Trennlinie und verwaltet den Fußnotenapparat beim Verschieben von Absätzen. Manuell eingetippte Hochzahlen sind aus einem einfachen Grund ein Fehler, denn sie verschieben sich nicht mit dem Text.

Fußnote einfügen

1

Cursor an die Stelle setzen, wo die Fußnotenzahl erscheinen soll (nach dem Satzzeichen).

2

Tastenkürzel: Strg + Alt + F (alle Windows-Word-Versionen). Auf dem Mac: Cmd + Option + F.

3

Word springt automatisch zum Fußnotenbereich am Seitenende. Dort den Beleg eingeben.

4

Mit Strg + Alt + N oder Klick in den Haupttext zurückspringen.

Nummerierung konfigurieren

Öffnen Sie den Fußnotenoptionen-Dialog über den Reiter "Referenzen" → kleines Rechteck-Symbol rechts unten in der "Fußnoten"-Gruppe. Dort stellen Sie ein: Zahlenformat (1, 2, 3 oder i, ii, iii), Nummerierung (durchgehend, pro Abschnitt oder pro Seite) und Speicherort (Seitenende oder Dokumentende für Endnoten). Für wissenschaftliche Arbeiten ist durchgehende Nummerierung der Standard (Quelle: Büro Kaizen 2024).

Literatuverwaltung mit Zotero oder Citavi

Wer häufig mit dem Fußnotensystem arbeitet, profitiert von Literaturverwaltungs­software. Zotero bietet den Stil "Chicago Manual of Style 17th edition (note)" als kostenlosen Download, der der Deutschen Zitierweise am nächsten kommt. Citavi unterstützt ebenfalls Fußnotenstile. Beide Programme fügen Vollbelege bei Erstnennung und Kurzbelege bei Wiederholung automatisch ein, sobald der Stil korrekt konfiguriert ist.

Tipp: Fußnotentext formatieren

Markieren Sie einen Fußnotentext und prüfen Sie, ob Word die Formatvorlage "Fußnotentext" angewendet hat. In dieser Vorlage können Sie einmalig Schriftgröße (10 pt), Zeilenabstand (einfach) und hängenden Einzug einstellen. Dann gelten diese Einstellungen für alle Fußnoten automatisch.

Vergleich: Deutsche, Harvard oder APA?

Drei Zitierstile dominieren an deutschen Hochschulen, und die Wahl hängt fast ausschließlich vom Fachbereich ab. Es lohnt sich, die Unterschiede zu kennen, damit Sie bei einem Fach- oder Themenwechsel nicht von vorne anfangen müssen.

Die Deutsche Zitierweise ist gesetzt in Geschichte, Jura, Theologie, Philosophie und großen Teilen der Germanistik. Harvard dominiert in den Wirtschaftswissenschaften. APA gilt als Standard in Psychologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften, weil das APA Publication Manual 7th Edition (2020) ein verbindliches, international anerkanntes Regelwerk liefert, das die anderen Stile nicht haben.

Wann welcher Zitierstil?
KriteriumDeutsche ZitierweiseHarvardAPA 7
Typisches Fach (DE)Geschichte, Jura, Philosophie, Germanistik, TheologieBWL, VWL, WirtschaftsinformatikPsychologie, Sozialwiss., Erziehungswiss.
QuellenangabeFußnote am SeitenendeKlammer im Text (Autor, Jahr: S.)Klammer im Text (Autor, Jahr, S.)
RegelwerkKein einheitliches Regelwerk, fachspezifischKeines offiziellAPA Manual 7th Ed. (2020)
KommentarfußnotenMöglich im FußnotenapparatSchwierigNicht vorgesehen
Software (Word)Fußnoten: Strg+Alt+F; Zotero/Citavi mit Chicago-StilZotero/Citavi/Mendeley (Autor-Datum)Word-eigener APA-Stil + Zotero
Software (LaTeX)biblatex-dw oder biblatex-chicagobiblatex-authoryearbiblatex-apa

Deutsche Zitierweise nach Fachbereich

Die Wahl des Zitierstils hängt an deutschen Hochschulen fast immer vom Fachbereich ab. In den Geisteswissenschaften ist die Deutsche Zitierweise nach wie vor Standard, während empirisch ausgerichtete Fächer auf Autor-Jahr-Systeme setzen. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen auf einen Blick, wo Sie mit Fußnoten richtig liegen und wo nicht.

Verbreitung der Deutschen Zitierweise nach Fachbereich
FachbereichBevorzugter ZitierstilDeutsche Zitierweise üblich?
GeschichteDeutsche ZitierweiseJa, Standard
GermanistikDeutsche ZitierweiseJa, weit verbreitet
PhilosophieDeutsche ZitierweiseJa, häufig
TheologieDeutsche ZitierweiseJa, Tradition
RechtswissenschaftenDeutsche Zitierweise (modifiziert)Ja, mit eigenen Konventionen
BWL / VWLHarvard oder APASelten, nur auf Wunsch des Betreuers
PsychologieAPA 7Nein
SozialwissenschaftenAPA oder HarvardVereinzelt
NaturwissenschaftenAPA oder VancouverNein
InformatikIEEE oder ACMNein

Ein eigener Leitfaden steht für jedes System bereit: Harvard-Zitierweise im Vergleich erklärt das Autor-Jahr-System vollständig. Den APA 7 Leitfaden finden Sie ebenfalls im Blog.

Entscheidungsregel

Prüfungsordnung lesen, Betreuer fragen, Seminarleitfaden konsultieren, in dieser Reihenfolge. Steht dort nichts, gilt als Faustregel: Geisteswissenschaftliches Fach? Deutsche Zitierweise oder Chicago B. Wirtschaft? Harvard. Psychologie oder Pädagogik? APA 7.

Fazit

Die Deutsche Zitierweise ist kein kompliziertes System. Sie beruht auf einem einzigen Kernprinzip: Erstnennung vollständig, jede weitere Nennung kurz. Wer dieses Prinzip verinnerlicht hat, beherrscht den Rest in der Praxis schnell.

Am wichtigsten bleibt Konsistenz. Da es kein verbindliches einheitliches Regelwerk gibt, zählt nicht das perfekte Format, sondern das konsequent durchgehaltene. Vollbeleg bei Erstnennung, Kurzbeleg danach, Ebd. nur bei unmittelbarer Wiederholung, und im Literaturverzeichnis den Nachnamen immer zuerst.

Aus unserer Erfahrung ist der häufigste echte Fehler nicht das falsch formatierte Datum oder die vergessene Auflage, sondern fehlende Quellen bei Paraphrasen. Wer jeden sinngemäß übernommenen Gedanken konsequent belegt, liegt formal auf der sicheren Seite.

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Häufige Fragen zur Deutschen Zitierweise

Quellen & Referenzen
  • Universität Bielefeld (2024): Fußnoten und Literaturverzeichnisse. Fakultät für Geschichtswissenschaft. uni-bielefeld.de
  • Georg-August-Universität Göttingen (2024): Zitierleitfaden. uni-goettingen.de
  • CTAN (2023): biblatex-dw, Version 1.7b. Dominik Waßenhoven. ctan.org
  • SciFlow (2024): Zitierweisen im Überblick. sciflow.net
  • Büro Kaizen (2024): Fußnoten in Word einfügen. buero-kaizen.de

Über den Autor

Daniel M. Greiner ist Gründer & Inhaber von ManuskriptMentor. Mit einem Master of Arts in Medienwissenschaften und aktuell laufendem MA in Bildungswissenschaften verbindet er akademische Expertise mit über 10 Jahren Business-Erfahrung in Fintech und SaaS.

Seit 2022 ist er auf akademisches Schreiben spezialisiert und unterstützt Studierende in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften und Kulturwissenschaften. Seine Schwerpunkte: forschungsbasierte Texte, wissenschaftliche Methodik und strukturierte Planung von Abschlussarbeiten.

M.A. Medienwissenschaften10+ Jahre ErfahrungSpezialist für Abschlussarbeiten